Die Debatte erweitern

Der WWF hat sich zum Ziel gesetzt, in der Coronakrise darauf hinzuweisen, dass Klima- und Naturschutz und Gesundheit zusammenhängen. Dafür launchte die NGO ein neues Talk-Format. BdKom-Präsidiumssprecher Marco Vollmar ist Geschäftsführer Kommunikation beim WWF Deutschland und berichtet darüber in der aktuellen Ausgabe des pressesprechers.
 
Von Marco Vollmar
 
Die Herausforderungen für Natur- und Umweltschutz, eine nachhaltige Ernährung und eine sichere Energieversorgung sind während der Coronakrise nicht weniger geworden. Für den WWF Deutschland war sehr schnell klar, dass wir als WWF in der öffentlichen Debatte zwei weitere Narrative setzen wollen.  
 
Schützen wir das Klima und die Natur, schützen wir auch gleichzeitig unsere Gesundheit. Davon sind wir fest überzeugt. Diesen Zusammenhang hat uns die Verbreitung des Coronavirus dramatisch vor Augen geführt. Wo Wälder gerodet werden und Lebensräume für Wildtiere schrumpfen, steigt die Gefahr, dass Viren vom Tier auf den Menschen überspringen. So soll es bei dem neuartigen Coronavirus wie bei vielen anderen Zoonosen passiert sein. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Abholzung von vier Prozent eines Waldes mit einer fast 50-prozentigen Zunahme der Malariafälle beim Menschen einhergeht.
 
Der WWF hat sich dafür stark gemacht, dass die wirtschaftlichen Fördermaßnahmen zur Bewältigung der Pandemie und der Klimakrise eng verbunden werden. Das Ziel: Die Vergabe von Wirtschaftshilfen transparent und zukunftsgerecht zu lenken. Aus unserer Sicht müssen jetzt die Weichen auf die langfristige Transformation der Finanz- und Real-Wirtschaft gestellt werden, um Arbeitsplätze, Wettbewerbsvorteile und unsere Lebensgrundlagen zu sichern. Dazu publizierte der WWF gemeinsam mit Germanwatch ein Positionspapier „Ziele – Pfade – Transparenz: Mit nachhaltigem Wirtschaftswachstum aus der Krise“. Damit brachten wir die Debatte auf die Ebene der praktischen Umsetzung. Das Papier zeigt Instrumente, mit denen Politik, Finanz- und Realwirtschaft die Konjunkturhilfen an den Pariser Klimazielen, dem European Green Deal und den globalen Nachhaltigkeitszielen der UN, den Sustainable Development Goals, ausrichten können.
 
Die Botschaft des WWF: Es ist an der Zeit, das gegeneinander ausspielen von Ökologie und Ökonomie zu beenden, da es weder richtig, noch zielführend ist. Wir müssen unsere Wirtschaft so stärken, dass wir im Einklang mit Natur und Umwelt in der Lage sind, langfristig in den planetaren Grenzen und global fair zusammenzuarbeiten. Ansonsten wären die Auswirkungen der Coronakrise nur ein Vorgeschmack auf die hereinbrechende Klimakrise.
 
Unsere Narrative waren mit dem Positionspapier gesetzt, die Inhalte erarbeitet und zusammengetragen. Nun galt es, öffentlich darüber zu reden und zu kommunizieren. Keine einfache Aufgabe, wenn öffentliche Veranstaltungen kaum stattfinden können und direkte Gespräche und Kontakte zurecht nur eingeschränkt möglich sind. Wir haben eine Taskforce in der Kommunikationsabteilung des WWF eingesetzt. Ihr Auftrag: Wie kann der WWF in der Öffentlichkeit mit unseren Anliegen stärker Gehör und Resonanz finden?
 
Wie vor Pandemien schützen?
 
Schnell war uns klar, dass wir zusätzliche neue Kanäle und Plattformen benötigen. Denn nur so können wir noch stärker als zuvor im digitalen Raum unsere Themen setzen und den Austausch von Argumenten fördern: WWFthink war also geboren.
 
Im Mittelpunkt dieses webbasierten Online-Video-Formats stehen neue Ideen, wissenschaftliche Erkenntnisse, innovative Sichtweisen und kreative Ideen. Das Themenspektrum ist breit: Lösungsansätze zum Schutz vor Pandemien, die nachhaltige Gestaltung von Digitalisierung, die Entwicklung von nachhaltigen Finanzsystemen (Green Finance) und Strategien für ökologisches und soziales Wirtschaften. In den Videotalks sprechen wir mit spannenden Persönlichkeiten und beteiligen unsere Communities aktiv an der Diskussion über die Kommentarleisten der Streams auf Facebook, Youtube und LinkedIn.   
 
Mit mehreren, ferngesteuerten Kameras können die Podiumsteilnehmer aus verschiedenen Perspektiven gefilmt werden. Über die digitale Regie und einen Regisseur/Bildmischer können weitere Panelisten in die Sendung geschaltet werden. Außerdem werden Grafiken, Videos und Bauchbinden in das Sendesignal integriert. Um die Community zu beteiligen, können Fragen, Kommentare und Anmerkungen nach redaktioneller Vorprüfung in den Livestream integriert werden. Der Stream wird über Youtube, Facebook, Twitter, Linkedin und Twitch verbreitet.
 
Neben der thematischen Ausrichtung war die Frage der öffentlichen Resonanz und Reichweite entscheidend für die Konzeption. Aus diesem Grund suchte der WWF passende Partner: Mit „T-Online“, dem Online-Publisher mit einer der größten digitalen Reichweiten im deutschsprachigen Medienmarkt wurde ein reichweitenstarker Medienpartner gefunden. Das SKPlab, die Innovationsplattform der S-Kreditpartner, sorgte für die technische Ausstattung und Ausstrahlung des Livestreams. Für den ersten Web-Video-Talk im Juni 2020 war unser erstes Narrativ als Thema gesetzt.
 
Gemeinsam mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze, der Charité-Virologin Sandra Junglen und WWF-Artenschutzdirektor Arnulf Köhncke diskutierten wir zum Auftakt, wie wir uns besser vor Pandemien schützen können. Wir haben die relevante Rolle der Bewahrung von Umwelt- und Natur herausgearbeitet und die Herausforderungen für den Gesundheitsschutz, die damit verbunden sind.
 
Der zweite Talk adressierte die junge Generation und titelte: „Generation Loser? Verlieren die Jungen in Zeiten von Corona und Klimakrise doppelt?“ Delara Burkhardt, für die SPD jüngstes Mitglied im EU-Parlament, diskutierte mit Bestseller-Autorin Diana Kinnert, WWF-Jugendrat-Mitglied Jamal Khaouni und Friday-For-Future-Sprecher Nick Heubeck über ihre Einschätzungen und Haltungen. Im Ergebnis wurde deutlich, dass aus Sicht der Gäste die Chancen überwiegen –  trotz aller Einschränkungen während der Pandemie. Herausragend die Diskussionskultur der jungen Panel-Teilnehmenden. Nicht roboterhaft stumpf die eigene Botschaft durchdrücken, sondern zuhören, auf die anderen Gesprächsteilnehmer eingehen und deren Ideen reflektieren. So entwickelte sich eine angenehmere Gesprächskultur als in den bekannten Talkshow-Formaten.
 
Die Zahlen der ersten Ausgaben sprechen für sich: Über 21.000 Zuschauer*innen haben sich bislang die Talks angeschaut, davon waren im Schnitt mehr als 10.000 Menschen live dabei. Mit Vorberichterstattung und Verbreitung über die Kanäle von „T-Online“ hat WWFthink eine Reichweite von über 250.000 Kontakten erzielen können.
 
 
Bild: Stefan Escher/agentur one