Superlative, Neuwahl-Premieren und ein Sommerfest in Frankfurt

Ein Impulsvortrag, eine Mitgliederversammlung mit erstmals hybrid durchgeführten Neuwahlen und ein Sommerfest: Am 8. September standen in der Frankfurt School gleich drei Höhepunkte auf der Agenda der Landesgruppe Hessen/ Rheinland-Pfalz/ Saarland. Wobei Professor Dr. Christian Schulze, Marketing-Professor an der Frankfurt School, zu Beginn nicht nur Stoff zum Nachdenken gab, sondern das Auditorium mit seinem schwungvollen Vortragsstil auch zum regen Austausch animierte. Zuhören konnten die rund 35 Teilnehmenden seiner Key Note entweder live im Hörsaal S3.01 oder mobil vor dem Computer. Der Wissenschaftler stellte unter dem Titel „Bescheidenheit oder Superlative – was hilft Unternehmen und Organisationen wirklich weiter?“ die Ergebnisse einer neuen Studie vor und versprach gleich zum Einstieg, dass er jetzt „das ultimativste und revolutionärste Paper aller Zeiten“ vorstellen werde.
 

 
Superlative tragen zum Verkaufserfolg bei
In seiner Forschung mit Fokus auf Startups hat Professor Schulze gemeinsam mit seinem Kollegen Professor Daniel Blaseg, der an der Frankfurt School studiert hat und heute gemeinsam mit Christian Schulze forscht, auf den Crowd-Funding-Plattformen Kickstarter und Product Hunt über eineinhalb Jahre Daten gesammelt. Dabei haben die beiden Wissenschaftler 360.000 Kampagnen auf Kickstarter und 71.000 Kampagnen bei Product Hunt analysiert und 1.061 eindeutige Superlative ermittelt. Allein bei Kickstarter fanden sie 8.710 mal das Wort „best“, 3.342 mal „ultimate“ und 1.559 mal „revolutionary“.
 
Doch stiften Superlative wirklichen Nutzen oder schrecken sie Verbraucher eher ab? Genau dieser Frage sind die Forscher auf den Grund gegangen. Ergebnis: Die Verwendung von Superlativen führt zu einem deutlichen Umsatzplus (zwischen 25 bis 63 Prozent). Gerade für junge Unternehmen ist es daher wichtig, zu übertreiben. „Wenn das erste Produkt scheitert, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um 85 Prozent“, erläutert Christian Schulze und ergänzt. „In Startups spielen Werte wie Marke, Bekanntheit und Vertrauen noch keine Rolle. Auch das Budget ist in der Regel klein. Superlative vermitteln Verbrauchern einen höheren Produktwert und vereinfachen den Entscheidungsprozess.“
 
Zu viele Übertreibungen sind gefährlich
Die übermäßige Verwendung von Superlativen ist umgekehrt jedoch ebenfalls gefährlich. Ab einem bestimmten Punkt lösen sie Warnsignale bei potenziellen Kunden aus. Ab wann dies der Fall ist, hängt von den Menschen, der Kultur, der Sprache und weiteren Faktoren ab. Ein kritischer Punkt ist erreicht, wenn Wettbewerber zu mehr Übertreibungen übergehen. Dann werden die Effekte der eigenen Superlative schwächer. Die Verbraucher geraten in einen Entscheidungskonflikt. Die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass sie sich für das Produkt des Unternehmens entscheiden. Christian Schulze empfiehlt, die Kommunikation entsprechend anzupassen und mehr Superlative zu verwenden. Er warnt: „Bescheidenheit ist hier keine empfehlenswerte Strategie.“ Jedoch gilt es, den Schwellenwert zu beachten „Zu viele Superlative wirken negativ und werden als unangemessene Überredung wahrgenommen.“
 
Der Zusammenhang zwischen der Verwendung von Superlativen in der Produktbeschreibung und dem Erfolg neuer Produkte folgt einer umgekehrten U-Form, fasst er abschließend zusammen. „Das Optimum zu finden bedeutet eine Verdoppelung des Verkaufs – ist also sehr wichtig für das Marketing.“ Zudem ist er der Meinung, dass die Forschungsergebnisse auch für andere Kommunikationsbereiche Praxisrelevanz haben.
 
 
Mitgliederversammlung und Wahl des Sprecherteams
Bei der anschließenden Mitgliederversammlung trug Co-Landesgruppensprecher Holger Paul zunächst den Rechenschaftsbericht vor und blickte auf 15 Online-Veranstaltungen sowie Präsenztreffen im Kloster Eberbach und bei der Bundespolizei am Flughafen Frankfurt in den vergangenen zwei Jahren zurück. Besonders hob er das neue Format „Denkfabrik“ hervor, dass in der Mittagszeit stattfand und ein Kommunikationsthema wissenschaftlich beleuchtete.
 
Bei den folgenden Neuwahlen bestätigten die Mitglieder der Landesgruppe Hessen / Rheinland-Pfalz/ Saarland schließlich das bisherige Sprecher*innen-Team im Amt. Damit bleiben Anke Maibach und Holger Paul die Vorsitzenden (Doppelspitze), Oliver Claas und Bettina Schmidt sind stellvertretende Landesgruppensprecher*innen. Sprecherin der Young Professionals bleibt Judith Alpmann.
 

 
Erstmals fand die Wahl hybrid statt – das heißt die Mitglieder konnten sowohl online als auch vor Ort in der Frankfurt School an der Mitgliederversammlung teilnehmen und ihre Stimme abgeben. Abgestimmt wurde über die Plattform Zoom – das neuartige Verfahren war zwar gewöhnungsbedürftig, funktionierte technisch dank der Unterstützung der Berliner BdKom-Geschäftsstelle sowie der Frankfurt School bestens und wurde überwiegend begrüßt und positiv bewertet.
 
In der Campus Lounge der Hochschule ließen die Mitglieder schließlich den Abend mit einer wunderbaren Aussicht auf die Skyline der Mainmetropole ausklingen.
 
Text: Bettina Schmidt
Fotos: Ralf Werner
 
 
Bildimpressionen: https://openeyeffm.de/FrankfurtSchool